Im Gespräch mit: Ute Mocker

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Im Rahmen der Aktion »Spende Perspektive! Aus Zuflucht wird Zukunft«, die noch bis zum 20. Juni läuft, haben wir uns mit den Beteiligten über ihre Motivation und Erfahrungen zu diesem Projekt unterhalten. Ute Mocker engagiert sich bereits seit vielen Jahren als Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Käfertaler Vereine“ für integrative Projekte und insbesondere die Projekte des Kulturhaus Käfertal, das 100 Prozent der Einnahmen dieser Spendenaktion empfängt.

Liebe Frau Mocker, Sie sind die Leitung im Kulturhaus Käfertal. Seit wann haben Sie diese Stelle inne und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich leite das Kulturhaus Käfertal seit 2014, seit 2008 bin ich im Vorstand der Interessengemeinschaft Käfertaler Vereine (IGKV). Zuvor war ich Vorsitzende der Mannheimer Bläserphilharmonie, die einer der 43 Mitgliedsvereine der IGKV ist. In dieser Funktion war ich seit den 90er Jahren auch an der Konzeption und Durchführung von größeren Kulturevents in Mannheim beteiligt, so bei der Reihe „Mannheim Gold – Bläser bewegen die Stadt“, eine Kooperation von Mannheimer Bläserphilharmonie, Musikhochschule, Mardi Gras BB und dem Kulturamt oder „Mannheim Summer Academy“ in Kooperation mit dem Nationaltheater, der Popakademie und der Musikschule Mannheim.
Da damals die Idee entstand, das Kulturhaus mit einem eigenen Programm als soziokulturelles Zentrum zu entwickeln, suchte man gezielt jemand mit Erfahrung im Kulturbetrieb und im Veranstaltungsmanagement, aber auch mit Bezug zum Stadtteil.

Was treibt Sie in Ihrer Arbeit an? 

Zunächst der Wunsch, aktiv an Kultur in Mannheim und der MRN teilzuhaben. Ich möchte dazu beitragen, dass auch Menschen in den Vororten und zwar aus allen Bevölkerungsgruppen, niederschwellig einen Zugang zu Kultur haben und damit auch eine Steigerung ihrer Lebensqualität erfahren.

Weitere Anliegen sind mir die Förderung regionaler Künstler und Musiker und die Nutzung von Synergieeffekten beim Cross Over zwischen verschiedenen Sparten, die bisher im Kulturhaus schon mehrfach zum Entstehen neuer Musik, neuer Kunstwerke und neuer Netzwerke geführt hat.

Ist Musik das alle Nation verbindende Element? Und welche Rolle hat Kultur bzw. Kulturschaffende in einem integrativen Prozess?

Musik ist, wie auch Tanz und Kunst, ein völkerverbindendes Element. Dies ist auch Grundgedanke des Projekts „Sprachen, die verbinden – Kultur = Heimat“, wo es zunächst um nonverbale Kommunikation ging, die sich nun, etwa beim Album „Younity“ der RapfugeeBand weiterentwickelt. Das Schreiben, Aufnehmen, gegenseitige Vorstellen und Performen der Songs führt zu einem Gruppenverständnis, gegenseitigem Respekt und einem Zusammengehörigkeitsgefühl über Nationen hinweg.

Werden auch in der Zukunft sich Projekte mit Integration beschäftigen? Wenn ja, gibt es schon konkret geplante?

Unsere gesamte Inter- und Jugendkultur zusammen mit Who.am.I Creative Academy hat mit Integration zu tun. So wurde im Laufe der letzten beiden Jahre mit jungen Geflüchteten und Jugendlichen aus Mannheim der Younity-Gedanke entwickelt, der zum Motto für alle Kulturarbeit im Haus wurde. (www.facebook.com/YounityMannheim).
In diesem Sinne werden wir die bestehenden Projekte „Werkstatt Jugendkultur“ (/www.facebook.com/WerkstattJugendkultur) und „RapfugeeBand“ weiterführen. Neu dazu kommen in diesem Jahr das Projekt „School Connection“, bei dem Jugendliche aus verschiedenen Schultypen und Sozialmilieus gemeinsam Rap-Songs schreiben und ein großes Abschluss-Event organisieren, und das Musical-Projekt „LifeLines“, in dem es um Lebensläufe geflüchteter und einheimischer Jugendlicher geht.

Sehen Sie sich als Institutionen in der Verantwortung für eine offene und tolerante Weltsicht zu stehen und sich politisch zu positionieren?

Das Kulturhaus und die IG Käfertaler Vereine gehörten zu den ersten Einrichtungen, die die Mannheimer Erklärung unterschrieben. Wir fühlen eine große Verantwortung zu einem friedvollen Leben in Vielfalt auf Rahmen demokratischer Grundwerte in Mannheim und ganz besonders im Norden und Osten der Stadt beizutragen. Auch beteiligen wir uns aktiv an der Diskussion gesellschaftlicher Themen rund um Integration. Dabei geht es sowohl um Geflüchtete als auch um die Integration der ca. 8000 erwarteten Neubürger auf der zu Käfertal gehörenden Konversionsflächen Benjamin-Franklin-Village. Auch hier werden wir uns als größte Kultureinrichtung vor Ort mit einbringen.